Michael Schmieder hat die Pflege von Menschen mit Demenz über Jahrzehnte revolutioniert und dabei stets die Würde dieser Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Für ihn ist Demenz eine medizinische Krankheit, die jedoch nicht das Ende von Würde und Selbstbestimmung bedeutet. Er kritisiert gesellschaftliche Tendenzen, die Menschen mit Demenz ihre Fähigkeiten und ihre Würde absprechen. Schmieder fordert ein Umdenken: Würde ist kein Attribut, das an Leistungsfähigkeit gebunden ist, sondern ein unverlierbares Menschenrecht.
Seine Arbeit in der Sonnweid, die er von einer Verwahranstalt zu einer innovativen, menschenzentrierten Einrichtung entwickelte, zeigt, wie Pflege gelingen kann, wenn sie auf Respekt, Beziehung und ethischer Reflexion basiert. Sein Masterstudium in Ethik vertiefte sein Verständnis für die komplexen Fragen rund um Demenz, etwa wie Selbstbestimmung auch bei kognitiven Einschränkungen gewahrt werden kann. Michael Schmieder ist bekannt für seine kritische, provokante Haltung, mit der er „Sand ins Getriebe“ der Demenzpflege wirft, um festgefahrene Denkweisen aufzubrechen.
Er betont, dass Menschen mit Demenz trotz kognitiver Einschränkungen noch Gefühle, Glücksvorstellungen und Wünsche haben, die es zu respektieren gilt. Dabei verweist er auch auf gesellschaftliche Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, die zunehmende Vereinzelung und die kulturellen Barrieren in der Pflege. Zugleich sieht er Chancen in der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz, die in Zukunft unterstützend wirken könnten, etwa durch geduldige, virtuelle Begleiter, ohne jedoch die menschliche Beziehungspflege zu ersetzen.
Schmieder engagiert sich heute als Berater, Autor und in verschiedenen Demenzplattformen, um den Dialog über einen würdevollen Umgang mit Demenz zu fördern und gesellschaftliche Bewusstseinsprozesse anzustoßen. Sein Buch „Dement, aber nicht bescheuert“ ist ein Plädoyer für einen neuen, respektvollen Umgang mit Demenzbetroffenen, der ihre Menschlichkeit in den Vordergrund stellt und die Pflege als zutiefst ethische Aufgabe begreift.