Verena Staggl verbindet in ihrer Arbeit die Welten von Kunst, Musik und Psychotherapie zu einem einzigartigen Ansatz, der Menschen mit Demenz neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet. Für sie ist Demenz nicht nur eine Krankheit, sondern ein komplexes Phänomen, das Raum für Begegnung, Wachstum und auch spirituelle Fragen schafft. Seit über fünf Jahren begleitet sie demenzbetroffene Menschen in den verschiedenen Stadien. Dabei nutzt sie ihre Erfahrung aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Wahrnehmungsstörungen, um nonverbale Kommunikationsformen zu verstehen und zu fördern.
In der Praxis zeigt sich, wie Musik und Kunst Türen öffnen, die Worten verschlossen bleiben. Verena Staggl berichtet von berührenden Momenten mit Maurizio, einem italienischsprachigen Mann mit Alzheimer, dessen Beziehung zu seiner Ehefrau durch ihre gemeinsamen musikalischen Stunden eine neue Tiefe gewinnt. Trotz fortschreitender Demenz entstehen „Sternstunden“ voller Nähe und Zärtlichkeit, die zuvor undenkbar waren. Diese Begegnungen sind für alle Beteiligten ein Geschenk, das zeigt, dass Demenz nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch neue Formen von Verbindung und Ausdruck möglich sind.
Ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit ist die Begleitung nicht nur der Betroffenen, sondern auch der Angehörigen. Verena Staggl betont, wie wichtig es ist, dass Angehörige ihre eigenen Gefühle und Geschichten reflektieren, um Ängste und Belastungen zu verarbeiten. Sie unterstützt sie in therapeutischen Prozessen, die helfen, innere Konflikte zu lösen und die eigene Mitte zu finden. So wird die Pflege nicht nur zur Herausforderung, sondern auch zur Chance für persönliche Entwicklung und Beziehungsgestaltung.
Kunst, Musik und der Körper spielen in Verena Staggls Ansatz eine zentrale Rolle. Sie sieht darin Schlüssel, um die oft verschlossene Innenwelt von Menschen mit Demenz zu erreichen. Ihr Engagement zeigt, dass Therapie mehr ist als Behandlung: Sie ist ein Raum für Begegnung, Ehrlichkeit und das Erleben von Lebensqualität trotz Demenz. Diese Haltung inspiriert und öffnet Perspektiven für eine menschlichere Pflege und Betreuung.