Claudia Cardinal

Gründerin und Leiterin der Sterbeammenakademie, Autorin

Claudia Cardinal

Claudia Cardinal
ist Sterbeamme, Dozentin, Autorin und Heilpraktikerin. Sie gründete und leitet die Sterbeammen-/Sterbegefährten-Akademie in Hamburg mit weiteren Standorten in Deutschland. Seit 25 Jahren begleitet sie Sterbende und deren Angehörige in Lebenskrisen. Ihr Buch „Die Insel der Vergesslichen – Diagnose Demenz“ unterstützt Betroffene und Angehörige im Umgang mit der Diagnose. Zudem co-hostet sie den erfolgreichen Podcast „Hüben + Drüben“ zu Sterbekultur.
Philosophie und Ansatz
Claudia Cardinal versteht Demenz nicht als bloße Krankheit, sondern als komplexes Phänomen, das tief in die Würde des Menschen eingreift. Sie betont, dass Menschen mit Demenz nicht „dement“ sind, sondern eine demenzielle Erkrankung haben – eine wichtige sprachliche Unterscheidung, die Respekt und Menschlichkeit bewahrt. Für Claudia Cardinal ist der Verstand nur ein Teil des menschlichen Wesens, wie sie anhand des platonischen Kutschengleichnisses erläutert: Der Körper ist die Kutsche, das Pferd symbolisiert das Gefühl, der Verstand die lenkende Person auf dem Kutschbock, und die Seele ist der Fahrgast.
Bei Demenz „verliert“ der Verstand seine Rolle, doch das Gefühl bleibt oft präsent und führt Betroffene auf ihrem Weg. Diese Sichtweise fordert eine Gesellschaft heraus, die sich zu sehr auf Rationalität und Leistung fixiert hat. Sie sieht Demenz auch als möglichen Rückzug aus einem überfordernden, leistungsorientierten Leben – eine Art „Verstandesburnout“. Sie
warnt vor Altersrassismus und fordert mehr Demut gegenüber dem Leben und dem Tod.
Ihre langjährige Erfahrung als Sterbeamme und Heilpraktikerin zeigt, dass Würde in der Begleitung von Sterbenden und Menschen mit Demenz zentral ist. Claudia Cardinal hat die Sterbeammen-Akademie gegründet, um Menschen für diese sensible Arbeit auszubilden – auch online, was sie seit der Pandemie erfolgreich etabliert hat. Ihr Buch „Die Insel der Vergesslichen“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich mit der Angst vor Demenz auseinandersetzt und dabei neue Perspektiven gewinnt.
Claudia Cardinal plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung, die Geist und Seele nicht ausklammert, und sieht in der Demenz eine Chance, den Verstand wieder relativ zu sehen und mehr auf das Gefühl und die Seele zu achten. Sie fordert eine Gesellschaft, die nicht nur auf medizinische Fakten und Medikamente setzt, sondern auch auf Menschlichkeit, Selbstbestimmung und spirituelle Dimensionen des Lebens und Sterbens.
Zusammenfassung des Interviews
Im Interview spricht Claudia Cardinal über die Bedeutung von Würde im Alter, bei Demenz und im Sterbeprozess. Sie betont, dass Demenz ein Symptom ist, das Menschen nicht auf ihre Symptome reduzieren darf. Mit dem Bild des platonischen Kutschengleichnisses erklärt sie, wie bei Demenz der Verstand zurückweicht, das Gefühl aber nicht nur erhalten bleibt, sondern immer größeren Raum einnimmt. Sie kritisiert die materialistische Gesellschaft, die den Geist und die Seele vernachlässigt, und sieht in Demenz auch
einen Rückzug aus einem überfordernden Leben. Sie berichtet von ihrer persönlichen Geschichte, die sie zur Sterbebegleitung führte, und erläutert, wie sie die Sterbeammen-Akademie aufgebaut hat. Die Pandemie hat sie zur Online-Ausbildung geführt, die sie heute als bereichernd empfindet. Ihr Buch „Die Insel der Vergesslichen“ thematisiert den Umgang mit der Diagnose Demenz und die Angst
davor. Cardinal fordert mehr Demut, Respekt und eine ganzheitliche Sicht auf Krankheit, Leben und Tod.

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