

Erich Schützendorf
Demenzexperte und Autor
Interview
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AUDIO - Interview
Erich Schützendorf
ist Diplom-Pädagoge und Gerontologe mit über 40 Jahren Erfahrung als Leiter des Fachbereichs „Fragen des Älterwerdens“ an der VHS Kreis Viersen. Als Lehrbeauftragter an der Hochschule Niederrhein prägt er die Soziale Gerontologie. Er gilt als führender Denker im Umgang mit Demenz in Deutschland und ist Autor zahlreicher Bücher, darunter „In Ruhe verrückt werden dürfen“ und „Kommunikation mit Menschen mit Demenz“.
Philosophie und Ansatz
Erich Schützendorf verkörpert eine zutiefst menschliche und zugleich inspirierende Haltung zum Thema Demenz und Alter. Für ihn sind Menschen mit Demenz keine „Patienten“, sondern Persönlichkeiten, denen man vorbehaltlos begegnen muss – ohne vorgefertigte Theorien oder Urteile. Seine frühe Erfahrung mit seiner dementen Tante Cordula prägte ihn nachhaltig: Die liebevolle, manchmal herausfordernde Begegnung mit ihr zeigte ihm, dass Demenz nicht nur Verlust, sondern auch eine andere Form von Lebensqualität bedeutet. Schützendorf hebt hervor, dass Demenz das „Dionysische Lebensprinzip“ freilegt – das Spielerische, Sinnliche, Zweckfreie, das im rationalen Alltag oft verdrängt wird. Er sieht darin eine Chance, das Leben aus einer neuen Perspektive zu erfahren, in der Kreativität, Musik, Malen und sinnliche Freude wieder Raum gewinnen. Dieses „Leben befreit vom Verstand“ ermöglicht Begegnungen voller Herzlichkeit und Eros, die weit über das übliche Verständnis von Erotik hinausgehen: Es geht um eine tiefe Verbindung, um Berührung, um das Zulassen von Lust und Freude – auch im Alter und bei kognitiven Einschränkungen.
Erich Schützendorf verkörpert eine zutiefst menschliche und zugleich inspirierende Haltung zum Thema Demenz und Alter. Für ihn sind Menschen mit Demenz keine „Patienten“, sondern Persönlichkeiten, denen man vorbehaltlos begegnen muss – ohne vorgefertigte Theorien oder Urteile. Seine frühe Erfahrung mit seiner dementen Tante Cordula prägte ihn nachhaltig: Die liebevolle, manchmal herausfordernde Begegnung mit ihr zeigte ihm, dass Demenz nicht nur Verlust, sondern auch eine andere Form von Lebensqualität bedeutet. Schützendorf hebt hervor, dass Demenz das „Dionysische Lebensprinzip“ freilegt – das Spielerische, Sinnliche, Zweckfreie, das im rationalen Alltag oft verdrängt wird. Er sieht darin eine Chance, das Leben aus einer neuen Perspektive zu erfahren, in der Kreativität, Musik, Malen und sinnliche Freude wieder Raum gewinnen. Dieses „Leben befreit vom Verstand“ ermöglicht Begegnungen voller Herzlichkeit und Eros, die weit über das übliche Verständnis von Erotik hinausgehen: Es geht um eine tiefe Verbindung, um Berührung, um das Zulassen von Lust und Freude – auch im Alter und bei kognitiven Einschränkungen.
Er plädiert für eine Pflegekultur, die diese Potenziale erkennt und fördert, statt Demenz nur als Defizit zu sehen. Seine Bücher, wie „In Ruhe verrückt werden dürfen“ und „Kommunikation mit Menschen mit Demenz“, sind praxisnahe Leitfäden für diesen respektvollen Umgang. Mit 76 Jahren reflektiert er auch seine eigene Reise ins Alter und die mögliche Demenz als natürlichen Prozess des Verblühens, den er mit Gelassenheit und Humor annehmen möchte. Für ihn ist das Alter die „Nachspeise des Lebens“ – ein letztes, kostbares Kapitel, das trotz aller Herausforderungen noch süße und bittere Momente bereithält. Diese Haltung macht Schützendorf zu einer Koryphäe, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Mut macht, Demenz als Teil des menschlichen Lebens zu verstehen und zu umarmen.
Zusammenfassung des Interviews
Im Interview erzählt Erich Schützendorf von seiner Tante Cordula, deren Demenz ihn früh prägte und sein Interesse an dem Thema weckte. Er betont die Bedeutung, Menschen mit Demenz vorbehaltlos und als individuelle Persönlichkeiten zu begegnen – nicht nur mit rationalen Erklärungen, sondern mit Herz und Offenheit. Schützendorf beschreibt, wie Demenz das „Dionysische Prinzip“ freisetzt: das Spielerische, Sinnliche und Kreative, das im Alltag oft verloren geht. Er spricht über die Wichtigkeit von Sinnlichkeit und Erotik im Alter, die weit über Sexualität hinausgehen. Mit 76 Jahren reflektiert er seine eigene Haltung zur Demenz als natürlichen Prozess des Alterns, den er mit Gelassenheit und Humor annehmen will. Das Alter sieht er als „Nachspeise des Lebens“ – mit süßen und bitteren Momenten, die es wert sind, erlebt zu werden.
Im Interview erzählt Erich Schützendorf von seiner Tante Cordula, deren Demenz ihn früh prägte und sein Interesse an dem Thema weckte. Er betont die Bedeutung, Menschen mit Demenz vorbehaltlos und als individuelle Persönlichkeiten zu begegnen – nicht nur mit rationalen Erklärungen, sondern mit Herz und Offenheit. Schützendorf beschreibt, wie Demenz das „Dionysische Prinzip“ freisetzt: das Spielerische, Sinnliche und Kreative, das im Alltag oft verloren geht. Er spricht über die Wichtigkeit von Sinnlichkeit und Erotik im Alter, die weit über Sexualität hinausgehen. Mit 76 Jahren reflektiert er seine eigene Haltung zur Demenz als natürlichen Prozess des Alterns, den er mit Gelassenheit und Humor annehmen will. Das Alter sieht er als „Nachspeise des Lebens“ – mit süßen und bitteren Momenten, die es wert sind, erlebt zu werden.
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2 Kommentare
Danke für dieses tolle Interview mit Erich Schützendorf, ich liebe ihn und er spricht mir aus der Seele.
Es tut so gut, ihm zuzuhören, wenn er über das Leben von Menschen mit demenziellen Veränderungen spricht. Ich finde, dass das Gesagte von ihm so klar und verständlich rüberkommt und trotzdem ist es so schwierig, in unserer Gesellschaft im Umgang mit Menschen mit Veränderungen umzugehen. Ich habe viele Jahre in einer Einrichtung gearbeitet in der Betreuung und weiß wie wertvoll es sein kann, diese Menschen in ihrer Vielfältigkeit kennenzulernen und sie begleiten dürfen. Durch Weiterbildungen und vor allem durch meine Validationsausbildung habe ich viel gelernt und es hat mir meine Arbeit unheimlich erleichtert. Was mich traurig macht, dass in den Einrichtungen meiner Meinung nach das Personal nicht gut ausgewählt wird bzw. nicht gut ausgebildet wird, damit sie erkennen, dass die Betreuung von Menschen mit demenziellen Veränderungen nicht immer ‚anstrengend und schwierig‘ sein muss. Es hängt von unserer Einstellung ab, wie wir ihnen begegnen. Ich bin bei Erich Schützendorf, wenn es darum geht, wie man Menschen gute Pflege anbietet. Meiner Meinung nach wird zu viel Zeit in die Körperpflege investiert, fixe Duschtermine z.B. Ich könnte mir das auch nicht vorstellen. Man geht viel zu wenig auf die individuellen Bedürfnisse ein, wodurch es sicher zu mehr sog. ’schwierigem Verhalten‘ kommt. Jetzt bin ich selbstständig tätig und darf den Menschen Zeit und Zuwendung schenken. Früher in meiner Arbeit in Einrichtungen fehlte mir da leider immer die Zeit. Schade. Es war mir kaum möglich, Einstellungen zu verändern und neue Ideen und Anregungen wurden kaum angenommen. Dafür war ich leider ein zu kleiner Fisch oder konnte mich nicht durchsetzen. Aber jetzt mache ich das. was mir am Herzen liegt, weil ich mittlerweile weiß, dass es richtig ist. Das schönste ist, wenn ich zu meinen Klienten komme und spüre, wie gut ihnen mein Besuch tut. Durch deine interessanten Interviews lieber Michael lerne ich immer wieder Neues dazu. Ich gebe dieses Wissen und diese wertvollen Erkenntnisse an Kolleginnen und Kollegen gerne weiter und kann dadurch beitragen, den Blickwinkel zu verändern. Guter Austausch ist das beste, was es gibt. Danke nochmal für dein Symposium, ich freue mich schon auf das nächste mit dir. Schön, dass es so Menschen wie dich gibt:) Liebe Grüße und schöne Zeit, Gabriele
Zartbitter! Dieses Wort schwingt weiter in mir. Einer meiner Leitsätze „nicht verbittern“, angelehnt an das Lied von Wolf Biermann. Dankeschön für das Gespräch.