Michael Schmieder

Gründer Sonnweid; Demenzexperte und Autor

Michael Schmieder

Michael Schmieder
ist Krankenpfleger, Demenzexperte und hat einen MAS in Ethik von der Universität Zürich. Von 1985 bis 2022 leitete er das Pflegeheim Sonnweid in Wetzikon, das er zu einer der weltweit führenden Einrichtungen für Menschen mit Demenz entwickelte. Für sein Lebenswerk wurde er 2017/2018 von der Paradiesstiftung Zürich und Alzheimer Zürich geehrt. Heute arbeitet er freiberuflich, engagiert sich bei demenzworld.com, demenzwiki.ch und den Demenz Meets und ist Autor des Buches „Dement, aber nicht bescheuert“.

Philosophie und Ansatz
Michael Schmieder hat die Pflege von Menschen mit Demenz über Jahrzehnte revolutioniert und dabei stets die Würde dieser Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Für ihn ist Demenz eine medizinische Krankheit, die jedoch nicht das Ende von Würde und Selbstbestimmung bedeutet. Er kritisiert gesellschaftliche Tendenzen, die Menschen mit Demenz ihre Fähigkeiten und ihre Würde
absprechen. Schmieder fordert ein Umdenken: Würde ist kein Attribut, das an Leistungsfähigkeit gebunden ist, sondern ein unverlierbares Menschenrecht.
Seine Arbeit in der Sonnweid, die er von einer Verwahranstalt zu einer innovativen, menschenzentrierten Einrichtung entwickelte, zeigt, wie Pflege gelingen kann, wenn sie auf Respekt, Beziehung und ethischer Reflexion basiert. Sein Masterstudium in Ethik vertiefte sein Verständnis für die komplexen Fragen rund um Demenz, etwa wie Selbstbestimmung auch bei kognitiven Einschränkungen gewahrt werden kann. Michael Schmieder ist bekannt für seine kritische, provokante Haltung, mit der er „Sand ins Getriebe“ der Demenzpflege wirft, um festgefahrene Denkweisen aufzubrechen. Er betont, dass Menschen mit Demenz trotz kognitiver Einschränkungen noch Gefühle, Glücksvorstellungen und Wünsche haben, die es zu respektieren gilt. Dabei verweist er auch auf gesellschaftliche Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, die zunehmende Vereinzelung und die kulturellen Barrieren in der Pflege. Zugleich sieht er Chancen in der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz, die in Zukunft unterstützend wirken könnten, etwa durch geduldige, virtuelle Begleiter, ohne jedoch die menschliche Beziehungspflege zu ersetzen. Schmieder engagiert sich heute als Berater, Autor und in verschiedenen Demenzplattformen, um den Dialog über einen würdevollen Umgang mit Demenz zu
fördern und gesellschaftliche Bewusstseinsprozesse anzustoßen. Sein Buch „Dement, aber nicht bescheuert“ ist ein Plädoyer für einen neuen, respektvollen Umgang mit Demenzbetroffenen, der ihre Menschlichkeit in den Vordergrund stellt und die Pflege als zutiefst ethische Aufgabe begreift.
Zusammenfassung des Interviews
Im Interview reflektiert Michael Schmieder seine 40-jährige Erfahrung mit Demenzpflege und betont, dass Menschen mit Demenz stets Würde besitzen, auch wenn sie diese oft nicht sichtbar zeigen können. Er kritisiert gesellschaftliche Vorurteile und die Tendenz, Demenzbetroffenen Selbstbestimmung und Lebensqualität abzusprechen. Schmieder sieht die Pflege durch Fachkräftemangel und fehlende Beziehungskompetenz gefährdet, erkennt aber auch Chancen durch Künstliche Intelligenz, die geduldig unterstützen kann. Er plädiert für ehrliche Kommunikation, Respekt und die Anerkennung der emotionalen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz. Sein Ansatz ist geprägt von ethischer Reflexion, praktischer Innovation und der Überzeugung, dass Würde unantastbar bleibt – unabhängig vom kognitiven Zustand.

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