Anja Kälin

Co-Gründerin und geschäftsf. Vorständin Desideria Care e.V.

Interview
Trailer

Anja Kälin
ist systemische Coachin und familientherapeutische Beraterin mit Sitz in München. Sie ist ehemals pflegende Angehörige, Co-Gründerin und geschäftsführende Vorständin des Desideria Care e.V. sowie zertifizierte Trainerin für EduKation Demenz®. Gemeinsam mit Peggy Elfmann co-hostet sie den Podcast „Leben. Lieben. Pflegen.“. Sie begleitet Angehörige von Menschen mit Demenz und leitet die „Demenz Buddies“ für junge Pflegende (Young Carers).
Philosophie und Ansatz
Anja Kälin verfolgt einen ganzheitlichen, systemischen Ansatz im Umgang mit Demenz, der weit über die rein medizinische Deutung und Betrachtung hinausgeht. Für sie steht nicht nur der Mensch mit Demenz im Mittelpunkt, sondern das gesamte soziale Umfeld, insbesondere die Familie.
Ihre eigene Erfahrung mit dem Alzheimer ihrer Mutter hat sie geprägt und motiviert, Räume zu schaffen, in denen Angehörige nicht nur Informationen erhalten, sondern auch als Experten ihres eigenen Lebens wahrgenommen werden. Dabei geht es ihr um mehr als nur Beratung: Coaching bei Desideria Care bedeutet Prozessbegleitung, in der Betroffene durch gezielte Fragen neue Perspektiven und Lösungen selbst entdecken. Dieser Ansatz öffnet den Möglichkeitsraum, um auch das Gute im Schlechten zu sehen und versteckte Geschenke der Diagnose zu erkennen – etwa neue Nähe oder Erkenntnisse über sich selbst und andere Familienmitglieder.
Anja Kälin betont, dass Demenz nicht nur Leid bedeutet, sondern auch Chancen für Wachstum und Veränderung bietet. Sie möchte gesellschaftliche Vorurteile abbauen und das Thema Demenz neu sehen lernen. Das Social Startup Desideria Care bietet dafür vielfältige Formate: Angehörigenseminare, Einzelcoachings, Vernetzungsräume, Podcasts und jährliche Demenzmeets in München. Die Angebote sind so gestaltet, dass Familien sich das Passende aussuchen können, um Orientierung, Austausch und Unterstützung zu finden. Besonders wichtig ist ihr, dass die Beratung auf Augenhöhe stattfindet, ohne Scham oder Verurteilung, und dass individuelle Lebensrealitäten berücksichtigt werden. Die systemische Perspektive hilft, die komplexen Veränderungen in Beziehungen und Rollen zu verstehen, die eine Demenz mit sich bringt.
Anja Kälin sieht Coaching als eine Erweiterung der Beratung, die im privaten Bereich noch wenig etabliert ist, aber gerade bei Demenzbegleitung einen großen Mehrwert bietet. Sie arbeitet ausschließlich mit systemisch ausgebildeten Coaches und Familientherapeuten, um professionelle und einfühlsame Unterstützung zu gewährleisten. Ihr Ziel ist es, Angehörigen Räume zu geben, in denen sie reflektieren, lernen und gestärkt werden – damit sie die Herausforderungen der Demenz besser meistern und auch die positiven Seiten entdecken können.
Zusammenfassung des Interviews
Im Interview beschreibt Anja Kälin ihren Weg von der systemischen Coachin zur Vorständin von Desideria Care, einem Verein, der Familien mit Demenz umfassend unterstützt. Sie betont den systemischen Blick, der den Menschen mit Demenz und sein soziales Umfeld als Einheit sieht. Ihr Ansatz ist ganzheitlich: Neben Wissensvermittlung und Vernetzung bietet Desideria Care auch Einzelcoachings an, um individuelle Lösungen zu finden.
Anja Kälin hebt hervor, dass es wichtig ist, nicht nur die Herausforderungen, sondern auch die positiven Aspekte der Demenz zu sehen. Sie möchte Räume schaffen, in denen Angehörige als Experten ihres Lebens wahrgenommen werden und offen über ihre Gefühle sprechen können. Coaching versteht sie als Prozessbegleitung, die Betroffene befähigt, eigene Antworten zu finden. Ihr Ziel ist es, den Umgang mit Demenz gesellschaftlich zu verändern und Familien nachhaltig zu stärken.

Ein Kommentar

  • Frau Anja Källi, ich habe so vieles vom Interview mitgenommen. Ich habe selber langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.
    Sie habe sehr wertschätzend über ihre persönliche Erfahrung mit einem Angehörigen mit einer Demenz gesprochen, sowie, welche Erkenntnisse oder vielleicht passender gesagt, welche Entwicklung sie*du während der Begleitung deiner Mutter machen konntest – trotz der der emotionalen Belastung durch Betreuung.
    Danke für das sehr wertschätzende Gespräch – sowie, dass sie*du auch die Familie sowie die Bedeutung der Begleitung der Famile sichtbar gemacht haben.

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