

Anke Feierabend
Sterbefasten; Instrumentallehrerin für Menschen mit Demenz
Anke Feierabend
ist ausgebildete Geigerin und beschäftigt sich seit über 17 Jahren mit Menschen mit Demenz. Parallel dazu ist sie gefragte Referentin und Seminarleiterin zum Thema Sterbefasten — einem Bereich, dem sie sich aus eigener familiärer Erfahrung heraus mit großer Tiefe und persönlichem Engagement widmet. Sie hat rechtlich geprüfte Begleitdokumente zur Vorsorge entwickelt und schult Pflegekräfte, Ehrenamtliche und Hospize bundesweit.
Philosophie und Ansatz
Ihr zentrales Anliegen ist die Überzeugung, dass ein selbstbestimmtes Sterben ein Menschenrecht ist — und dass Sterbefasten die natürlichste Form ist, dieses Recht wahrzunehmen. Sie sieht darin keinen Suizid, sondern die bewusste Einleitung eines natürlichen Sterbeprozesses, wie er in vielen Kulturen seit jeher praktiziert wird: Menschen hören auf zu essen und zu trinken, weil sie sterben — nicht umgekehrt. Inzwischen gilt Sterbefasten in Deutschland rechtlich nicht mehr eindeutig als Suizid. Die rechtliche Einordnung ist zwar nicht abschließend geklärt, doch da sich Sterbefasten grundlegend von anderen Suizidformen unterscheidet, wird es zunehmend als natürlicher Tod gewertet. Dieses Verständnis verbindet sie mit dem Anliegen, gesellschaftliche Tabus rund um das Lebensende aufzubrechen und für mehr Aufklärung zu sorgen.
Den Zugang zum Thema Sterbefasten fand sie durch die schwere Erkrankung des Vaters ihrer Kinder, Harald, der 27 Jahre lang an MS litt. Die Suche nach einem würdevollen, selbstbestimmten Weg aus dem Leiden führte sie zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema. Durch Gespräche mit Pflegekräften, die Sterbefasten als friedvoll erlebt hatten, und durch eigene Recherche entwickelte sie ein fundiertes Verständnis dieses Prozesses — und begleitete Harald schließlich gemeinsam mit ihren Kindern während seiner siebeneinhalb Tage des Sterbefastens.
In Seminaren und Schulungen klärt sie über die rechtlichen Rahmenbedingungen des Sterbefastens auf: die Garantenpflicht, die Bedeutung spezieller Vorsorgedokumente jenseits der üblichen Patientenverfügung, und die Besonderheiten beim Sterbefasten von Menschen mit Demenz. Dabei betont sie, dass eine liebevolle, fachkundige Begleitung — einschließlich der stündlichen Befeuchtung der Schleimhäute — entscheidend dafür ist, dass der Prozess würdevoll und ohne Leid verläuft.
Zusammenfassung des Interviews Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die persönliche Erfahrung mit dem Sterbefasten des Vaters ihrer Kinder. Sie erklärt, was Sterbefasten wirklich bedeutet, wie es sich vom klassischen Suizid unterscheidet und warum es — rechtlich wie menschlich — als natürlicher Tod zu verstehen ist. Inzwischen gilt Sterbefasten in Deutschland rechtlich nicht mehr eindeutig als Suizid. Die rechtliche Einordnung ist zwar nicht abschließend geklärt, doch da sich Sterbefasten grundlegend von anderen Suizidformen unterscheidet, wird es zunehmend als natürlicher Tod gewertet. Sie schildert die praktische Begleitung, die emotionale Dimension für die Familie und die tiefe Würde, die dieser Prozess ermöglichte. Daneben beleuchtet sie die rechtlichen Hürden: die Garantenpflicht, die Pflegende zur Versorgung verpflichtet, und die Lücken in bestehenden Patientenverfügungen, die das Sterbefasten nicht explizit abdecken. Sie plädiert dringend für Vorsorge bei klarem Verstand — und für gesellschaftliche Offenheit gegenüber einem Sterben, das Menschen mit fortgeschrittener Demenz oft von sich aus einleiten, wenn man sie lässt. Ihre musikalische Arbeit mit Demenzkranken erwähnt sie lediglich als biografischen Ausgangspunkt.
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7 Kommentare
Ganz wichtig wäre auch zu wissen, ob die Person Schmerzen hat, dann könnte man eine Schmerzpumpe anlegen.
Und für mich besonders wichtig, alles ausführlich miteinander besprechen, so wie Sie es getan haben, um sich als Angehöriger später keine Vorwürfe machen zu müssen.
Das war für mich noch einmal ein sehr wertvolles und befriedendes Interview zum Abschied, nachdem ich bei Dr. Klesse doch deutlichen Widerstand in mir gespürt hatte. Auf das Sterbefasten wurde ich vor allem durch die ehemalige Grünen-Politikerin und Schauspielerin Barbara Rütter aufmerksam, sie kann man wohl als engagierte Pionierin für dieses Thema bezeichnen. Es ist so schön, von persönlichen Geschichten zu hören, wie aus der Familie von Anke Feierabend. Vielen Dank dafür. Natürlich bleibt es ein schwieriges Thema, insofern, dass es nicht zu jedem passt, nicht in jede Familie, nicht zu jedem Umstand. Auch das kam zur Sprache. Zu dem möglichen Beispiel eines Menschen mit Demenz-Diagnose in einer Einrichtung lebend fiel mir bspw. ein: „Was, wenn er aufhört zu essen, weil er Zahnschmerzen hat?“ Aber auch in solchen Situationen lassen sich Möglichkeiten des Umgangs finden – vorausgesetzt es gibt Menschen, die darauf geschult sind und die Zeit aufwenden. Aber wenn man bei einem Pferd erkennen kann, dass es wahrscheinlich Zahnschmerzen hat, sollte es doch auch im Umgang mit Menschen gelingen? Ich setze mich schon seit einigen Jahren dafür ein, über das Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zu sprechen, auch, wie mit Ärzt:innen umgegangen werden kann, die sich darüber hinwegsetzen. Es gibt in diesem Bereich eben auch „solche und solche“ – manchmal kann es dem Umfeld kaum schnell genug gehen, manchmal ist es zu langsam, „Siechtum“ nannte es Frau Feierabend. Ich denke, es geht darum, auch hier den jeweils besten Weg für das Individuum Mensch, für sich, zu finden. Und da ist es nun einmal Voraussetzung, dass man diese Verantwortung für sich auch übernehmen und sich mit diesem Teil des Lebens – das so schön, wie auch kaum zu ertragen sein kann – befassen möchte. Ganz wunderbar, dass Frau Feierabend und die Tochter dazu ganz konkret beitragen.
Wäre es möglich, die Zusatzvereinbarung die der Patientenverfügung beigefügt werden müsste zu bekommen? Das fände ich sehr hilfreich. Vielen herzlichen Dank für das Vorstellen dieses Themas! War sehr interessant.
Ich schließe mich der Frage von Kerstin E. an.
Ich schließe mich der Frage von Kerstin E. ebenfalls an.
Antwort an Christine H.:
Das ist richtig, dass es wichtig ist, zu wissen, ob jemand während des Sterbefastens Schmerzen hat. Allerdings lassen die Schmerzen im Sterbeprozess des Sterbefastens eher nach, weil a) nach 2-3 Tagen der Körper Endorphine ausschüttet, die die Schmerzempfindung drosseln, und b) die Schmerzmedikamente aufgrund der Austrocknung stärker wirken und dann manchmal sogar reduziert werden müssen.
Antwort an Kris:
Herzlichen Dank für das schöne Feedback! Es freut mich, dass dieses Interview zu einem befriedenden Abschluss für Sie geführt hat!
Zahnschmerzen bei Demenz: Die Pflegenden haben die Pflicht, sicherzustellen, dass nicht solche Gründe die Essensverweigerung begründen. Im Zweifel wird eine Zahnarzt hinzugezogen. Zudem wird bei Zahnschmerzen meist nur das Essen verweigert, nicht aber das Trinken.
Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Da es tatsächlich vorkommt, dass sie von Ärzten nicht beachtet werden, ist es von Vorteil, wenn Angehörige sich darum kümmern und dafür sorgen, dass die Wünsche ihres demenziell veränderten Familienmitglieds geachtet werden.
Antwort an Kerstin E. sowie Kris und Andrea:
Dankeschön für Ihre Rückmeldungen und Nachfragen.
Ich bin in Vorbereitung zu einem Online-Seminar am 6. Juni zum Thema Sterbefasten. Im Seminar sind alle nötigen Vorsorgedokumente enthalten, die ich nicht ohne das Seminar herausgebe, weil sie genauer Erläuterung bedürfen und nicht einfach wie ein Vordruck verwendbar sind. Es ist elementar, dass die Nutzer wissen, wie und wofür sie sie verwenden sollten. Die Dokumente sind von Fachanwälten geprüft, so dass sie der aktuellen Rechtslage entsprechen, und ergänzen die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.
Gerne sende ich Ihnen die ausführliche Seminar-Info zu. Bei Interesse bitte ich um kurze Nachricht an info@ankefeierabend.de. Vielen Dank!
Ich kann das Interview nicht abspielen, woran kann das liegen? LG Kerstin