

Dr. Michael Wunder
Psychologe, ehem. Mitglied Dt. Ethikrat: Selbstbestimmung bei Demenz

Psychotherapeutenkammer Hamburg. Seine Arbeit fokussiert sich auf Demenz, Selbstbestimmung und ethische Fragen am Lebensende. Auch im Bereich Palliativmedizin berät er die Alzheimer-Gesellschaft.
Philosophie und Ansatz
Michael Wunder widmet sich seit Jahrzehnten der ethischen Begleitung von Menschen mit Demenz und deren Selbstbestimmung. Für ihn ist Selbstbestimmung kein starres Konzept, das mit dem Fortschreiten der Krankheit endet, sondern ein graduelles, sich wandelndes Recht, das bis in die späte Phase der Demenz erhalten bleiben muss. Er betont, dass Selbstbestimmung nicht nur
komplexe Entscheidungen umfasst, sondern auch einfache Wahlmöglichkeiten wie das Bedürfnis nach Wärme oder Musik. Diese Sichtweise widerspricht der verbreiteten Haltung, Menschen mit Demenz frühzeitig ihre Autonomie abzusprechen.
beschreibt.
Die Philosophie von Michael Wunder basiert auf drei Kernkriterien für Selbstbestimmung: die Möglichkeit, zwischen Alternativen zu wählen, das Vorhandensein von Gründen für eine Entscheidung und die Ich-Bestimmtheit, also dass die Entscheidung vom Betroffenen selbst ausgeht. Er betont, dass Selbstbestimmung nicht immer „edel“ oder gesellschaftlich akzeptiert sein muss, sondern auch Entscheidungen einschließt, die anderen schaden könnten – wobei die Gesellschaft Grenzen setzt, wenn Schaden droht. Besonders in der späten Demenzphase plädiert Dr. Michael Wunder für eine feinfühlige Wahrnehmung aller Äußerungen – verbal, gestisch oder mimisch – und für eine respektvolle Begleitung durch geschulte Personen.
Zusammenfassung des Interviews
Im Interview betont Michael Wunder die Bedeutung der Selbstbestimmung bei Menschen mit Demenz, auch in fortgeschrittenen Stadien. Er widerspricht der verbreiteten Praxis, Betroffenen frühzeitig Entscheidungen abzunehmen, und fordert eine differenzierte Betrachtung, die auch einfache Entscheidungen als selbstbestimmt anerkennt. Wunder erläutert drei Kriterien für Selbstbestimmung: Wahlmöglichkeiten, Gründe für Entscheidungen und Ich-Bestimmtheit. Er plädiert für eine sensible Beobachtung aller Äußerungen und Aktivitäten von Menschen mit Demenz und warnt vor Angst und Verdrängung in der Gesellschaft. Sein Ansatz verbindet Würde und Selbstbestimmung als untrennbare Werte.
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