

Dr. Stephan Kostrzewa
Soziologe und Experte für palliative Pflege; Initiator des Konzepts "Therapeutisches Gammeln" bei Demenz
ist examinierter Altenpfleger, Dipl. Sozialwissenschaftler (Soziologie, Psychologie, Thanatologie) und Fachkraft für Palliative Care sowie Gerontopsychiatrie. Er leitete von 2010 bis 2024 die Fachzeitschrift „Palliativpflege heute“ und gründete das Institut für
palliative und gerontopsychiatrische Interventionen. Bekannt wurde er durch sein innovatives Konzept „Therapeutisches Gammeln“ für Menschen mit Demenz.
Philosophie und Ansatz
Stephan Kostrzewa revolutioniert die Pflege von Menschen mit Demenz durch sein Konzept des „Therapeutischen Gammelns“, das auf tiefem Respekt vor Autonomie und individuellen Bedürfnissen basiert. Aus seiner langjährigen Hospiz- und Palliativarbeit heraus entwickelte er eine Haltung, die den Menschen nicht auf seine Demenz reduziert, sondern ihn als komplexes Wesen mit vielfältigen
Bedürfnissen und Begleiterkrankungen sieht. Statt rigider Aktivierungsprogramme setzt Kostrzewa auf eine offene, selbstbestimmte Lebensgestaltung, die Raum für individuelle Ausdrucksformen lässt – auch wenn diese sich nicht verbal äußern. Er betont die Bedeutung von Körpersprache, Mimik und Gestik, um die Wünsche und das Wohlbefinden der Betroffenen zu erkennen. Das Konzept widersetzt sich der üblichen Praxis, Verhaltensweisen ausschließlich der Demenz zuzuschreiben und dadurch medizinische Ursachen wie Schmerzen oder Juckreiz zu übersehen. Kostrzewa plädiert für eine ganzheitliche Betrachtung, die auch Nebendiagnosen und körperliche Beschwerden einbezieht. Seine „Gammel-Oasen“ in Pflegeeinrichtungen sind lebendige Beispiele, wie durch das Zulassen von Freiheit und das Abschaffen starrer Strukturen das Wohlbefinden der Bewohner gesteigert und der Einsatz von Psychopharmaka reduziert werden kann. Dabei steht nicht die „gesunde“ Sterbephase im Vordergrund, sondern ein würdiges, selbstbestimmtes Leben bis zum Schluss – frei von überzogenen Gesundheitsidealen. Kostrzewa fordert, dass Pflegekräfte sich als Begleiter verstehen, die mit
Empathie und Achtsamkeit die individuellen Lebenswelten der Menschen mit Demenz respektieren. Sein Ansatz ist provokant, weil er traditionelle Konzepte hinterfragt und die Pflegepraxis radikal menschlicher macht. Bücher wie „Palliative Pflege von Menschen mit Demenz“ vertiefen seine Erkenntnisse und bieten praktische Anleitungen. So schafft er eine Brücke zwischen Palliativversorgung, Gerontopsychiatrie und einer neuen Haltung in der Demenzpflege, die das Leben in seiner ganzen Vielfalt anerkennt.
Im Interview erläutert Dr. Kostrzewa seine Motivation und die Entstehung des „Therapeutischen Gammelns“ aus der Hospizarbeit. Er kritisiert starre Aktivierungsprogramme und betont die Bedeutung nonverbaler Kommunikation bei Menschen mit Demenz. Sein Ansatz berücksichtigt körperliche Beschwerden, die oft fälschlich der Demenz zugeschrieben werden. In „Gammel-Oasen“
erleben Bewohner mehr Selbstbestimmung, etwa bei Tagesablauf und Ernährung. Die Pflege reduziert Psychopharmaka und fördert Wohlbefinden durch Freiheit statt Struktur. Kostrzewa sieht Pflegekräfte als sensible Begleiter, die individuelle Bedürfnisse respektieren und so ein würdiges Leben bis zuletzt ermöglichen.
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