Sümeyra Öztürk

Wissenschaftl. Mitarbeiterin Demenz-Support Stuttgart: Migration und Demenz

Interview
Trailer

Sümeyra Öztürk
ist Sozialarbeiterin (B.A.) und seit neun Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Demenz Support Stuttgart gGmbH. Ihr Schwerpunkt liegt auf Demenz und Migration. Sie bringt bi-kulturelle Expertise in die muttersprachliche Beratung ein, insbesondere für türkischsprachige Familien. Sümeyra Öztürk leitete Projekte wie "DeMigranz" und "Diversity-On" und bietet Online- Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige an.

Philosophie und Ansatz
Sümeyra Öztürk verbindet in ihrer Arbeit tiefes persönliches Verständnis mit professioneller Expertise, um das Thema Demenz in migrantischen Communities sichtbar zu machen und Barrieren abzubauen. Sie sieht Demenz nicht nur als medizinische Diagnose, sondern als Lebensrealität, die mit Respekt, Empathie und kultureller Sensibilität begleitet werden muss.
Ihre eigene Erfahrung mit der Großmutter, die mit Demenz lebte, prägte ihren liebevollen und wertschätzenden Umgang mit Betroffenen. Für sie ist es wichtig, Menschen mit Demenz als ganze Persönlichkeiten zu sehen, nicht als Patienten mit einem Stempel. Sümeyra Öztürk betont, dass in Familien mit Migrationsgeschichte oft zusätzliche Herausforderungen bestehen: Sprachbarrieren, Scham und Tabuisierung erschweren den Zugang zu Beratung und Pflege. Deshalb setzt sie sich dafür ein, muttersprachliche Angebote auszubauen und kultursensible Netzwerke zu stärken.
Projekte wie "DeMigranz" haben bundesweit Vernetzungen geschaffen, um Institutionen und Communities zu erreichen und mehrsprachige Informationen bereitzustellen. Sümeyra Öztürk sieht die Pflegebedürftigkeit älterer Menschen mit Migrationshintergrund auch im Spannungsfeld zwischen traditionellen Familienwerten und modernen Lebensrealitäten, in denen Mobilität und Flexibilität zunehmen. Sie plädiert für mehr Offenheit und Enttabuisierung, damit Familien besser unterstützt werden können. Für sie ist die Sprache der Seele – die Muttersprache – ein Schlüssel, um Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und somit eine wertvolle Brücke in der Beratung und Pflege. Sie fordert mehr Flexibilität in Beratungsstellen, Behörden und Pflegeeinrichtungen, um mehrsprachige Fachkräfte einzubinden und so die Versorgung zu verbessern.
Ihre Arbeit ist geprägt von dem Wunsch, Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein würdevolles, verständnisvolles Miteinander zu ermöglichen und die Vielfalt der Gesellschaft in der Pflege sichtbar zu machen.
Zusammenfassung des Interviews
In dem Gespräch berichtet Sümeyra Öztürk von ihrer langjährigen Arbeit bei Demenz Support Stuttgart mit dem Schwerpunkt Demenz und Migration. Sie erklärt, wie das Projekt "DeMigranz" bundesweit Netzwerke für kultursensible Angebote schuf und dass trotz Förderende das Thema weiter präsent bleiben muss. Persönlich schildert sie den liebevollen Umgang mit ihrer Großmutter mit Demenz.
Sümeyra Öztürk betont die besonderen Herausforderungen für Familien mit Migrationshintergrund, etwa Sprachbarrieren, Scham und Tabuisierung. Sie beschreibt die Angst und Unsicherheit, die entstehen, wenn ältere Angehörige mit Demenz in der Heimat leben wollen, die Kinder aber in Deutschland sind. Die muttersprachliche Beratung sieht sie als dringend ausbaufähig, um Betroffene besser zu erreichen. Sümeyra Öztürk plädiert für mehr mehrsprachige Fachkräfte in Beratung, Pflege und Behörden, um kulturelle und sprachliche Hürden abzubauen und die Versorgung zu verbessern.

Ein Kommentar

  • Tolles Interview!
    Ich stimme voll und ganz zu, dass allein das Aufsuchen einer Beratung oft eine große Hürde für die Angehörigen darstellt. Diese ist nochmal höher, wenn ich mich nicht in der Muttersprache ausdrücken kann.

    Das Wortspiel Demigranz kannte ich noch nicht. Werde ich mir merken. Wir haben als Gesellschaft im Bereich Menschen mit Demenz UND Migrationsgeschichte einen großen Auftrag, dem aus meiner Sicht viel zu wenig Aufmerksamkeit beigemessen wird.

    Es freut mich sehr zu hören, dass immer mehr Menschen die selbe Vision verfolgen, nämlich die Gesellschaft nach und nach in Richtung sorgende Gemeinschaft zu wandeln. Ich arbeite selbst auch mit verschiedenen Projekten daran und dieses Interview hat mich ermutigt, sie weiter zu verfolgen, um diese Vision wahr werden zu lassen.

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